13. Wassilij Below:
Zimmermannsgeschichten
geschrieben: 1968
Originaltitel: Плотницкие рассказы (russisch)
(92 Seiten)
gelesen im Januar 2014
Fazit: **** LIKE
Unsere Wahl für das erste Buch im neuen Jahr fiel auf eine Kurzgeschichte des kürzlich verstorbenen russischen Schriftstellers Wassilij Below (1932-2012). Der russische Originaltitel lautet Плотницкие рассказы.
Die Hauptpersonen der Geschichte sind Konstenkin, der auf Urlaub in seinem Heimatdorf ist und das verfallene Badehaus seiner Familie reparieren will, und Oljoscha, ein alter Zimmermann, der ihm bei der Arbeit hilft. Dabei erzählt der Alte dem jüngeren Mann kurze Episoden aus seinem Leben, in denen es hauptsächlich um Streitigkeiten mit seinem Nachbar Winka, einem ewigen Opportunisten und Nichtsnutz, geht. Das Leben der beiden Alten steht exemplarisch für die Erfahrungen der Bauern im Russland der Zaren und unter den Bolschewiken. Während Oljoscha hilfsbereit und arbeitsam ist, stellt sich Winka in den Dienst der kommunistischen Behörden, um seine Nachbarn schikanieren zu können und selbst nicht mit anpacken zu müssen. Anhand dieser beiden Figuren zeigt Below, wie gegensätzliche Werte und Lebensauffassungen aufeinanderprallen, er beleuchtet Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln, ohne dabei polemisch Stellung zu beziehen. Trotzdem wird seine Kritik vor allem an der Entkulakisierung, bei der etwas wohlhabendere Bauern von ihren Höfen vertrieben wurden, sehr deutlich.

Den jungen Stadtmenschen Konstenkin macht der Streit der Alten im Laufe der Zeit missmutig. Er versucht, die beiden zu versöhnen, sieht aber schließlich ein, dass er sich besser nicht einmischen sollte. Daneben begegnet er auch noch anderen Dorfleuten, die er zwar aus seiner Kindheit und Jugend kennt, mit denen er aber nicht wirklich an alte Freundschaften anknüpfen kann. Der Gegensatz Stadt/Land in der damaligen Sowjetunion ist damit ein weiteres wichtiges Thema.
Die Personen sind lebensecht beschrieben, und der Text besteht größtenteils aus Dialogen, die das Vorlesen zum Vergnügen machen. Die Geschichte wurde 1968 veröffentlicht, und siedelt sich wohl auch um die Zeit an. Interessant ist, dass der Autor zu dem Zeitpunkt gleichaltrig mit dem Protagonisten Konstenkin war, und auch sonst kann man leicht Parallelen zu seinem Leben ziehen. Das sowjetische Dorfleben wird anschaulich und teils sehr vergnüglich beschrieben, etwa als Konstenkin an einer Kolchosversammlung teilnimmt, bei der sich das gesamte Dorf mit Kindern, Alten und sogar Tieren in eine kleine Wohnstube drängt, was unweigerlich zu Chaos, Durcheinander und Geschrei führt.
Fazit: gut geschrieben, facettenreiche Figuren, interessante Zeitstudie – alles in allem ein absolutes LIKE.
Leseprobe:
Book 12 Table of Contents 1 Book 14