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25. Bertolt Brecht:
 
Kalendergeschichten


geschrieben: 1949
(113 Seiten)
 
gelesen im Mai 2014
Fazit: *** LIKE

 
Unsere Wahl fiel diesmal auf eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten von Bertolt Brecht (1898-1956). Wir haben bis jetzt schon einige gute Erfahrungen mit Kurzgeschichten gemacht, (z.B. Scholem Alejchem und Karen Blixen) denn sie haben den Vorteil, dass sie meistens schnell gelesen sind und oft unterschiedliche Themen behandeln, sodass selbst wenn mal eine Geschichte einem nicht so zusagt, es immer noch genügend andere gibt, die das Buch dann doch zum Lesevergnügen machen. Und Brechts Kollektion versammelt nicht nur Geschichten, sondern auch Gedichte und kleine Anekdoten, was Abwechslungsreichtum versprach. Wir kannten Brecht bis jetzt nur als engagiert sozialistischen Theaterstückschreiber, und waren neugierig, jetzt auch einmal seine Prosa und Gedichte kennenzulernen.
 
Hier jetzt auf jede einzelne Geschichte einzugehen wäre zu langwierig, deshalb hebe ich nur ein paar heraus, die uns besonders gut gefallen haben.
 
Da es sehr wichtig ist, wie ein Buch beginnt, hat Brecht gleich ein gutes Händchen damit bewiesen, die Kurzgeschichte Der Augsburger Kreidekreis als erste in seine Sammlung aufzunehmen. Die Geschichte hat uns sehr gut gefallen, sowohl von Sprache wie auch von Inhalt und Aussage her. Das Thema schien Brecht am Herzen zu liegen, da er es später in seinem Theaterstück Der kaukasische Kreidekreis wieder verarbeitet hat, aber da wir das Stück noch nicht kannten, war die Geschichte neu für uns. Besonders positiv sticht die weibliche Protagonistin hervor, da Brecht sie als mutige Frau darstellt, die sich nicht scheut, gegen den Strom zu schwimmen. Eine willkommene Abwechslung nach dem heutigen Trend in Büchern und Filmen, Frauen entweder als Dummchen oder Hysterikerinnen darzustellen.
 
Eine weitere interessante Geschichte, in der die Frau ebenfalls positiv und emanzipiert dargestellt wird, ist Die unwürdige Greisin: nachdem ihr Mann gestorben ist blüht eine alte Frau regelrecht auf und will endlich das Leben geniessen, selbst wenn ihr Sohn dies missbilligt. Der Ich-Erzähler schlägt sich allerdings auf die Seite seiner Grossmutter, womit Brecht sich wohl unmissverständlich für die Emanzipation von gesellschaftlichen Ansprüchen ausspricht.
 
Erwähnenswert ist auch noch die Kurzgeschichte Das Experiment, eine kleine Anekdote aus dem Leben Francis Bacons, beschrieben aus der Sicht eines kleinen Jungen. Hier lässt Brecht seine Skepsis gegenüber Ärzten durchscheinen, was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat.
 
Von den Gedichten ist besonders hervorzuheben Kinderkreuzzug 1939, eine sehr starke, wenn auch traurige Erzählung aus dem zweiten Weltkrieg. Das Gedicht wäre allerdings noch besser gewesen, wenn Brecht eine strengere Metrik benutzt hätte. Der Rhythmus wirkt etwas unvollendet und wirr, so als ob das Gedicht noch einmal überarbeitet hätte werden sollen. Aber vielleicht wollte Brecht mit diesem unruhigen Stil auch nur die chaotischen Zeiten des Krieges unterstreichen.
 
Brecht schwingt zwar des Öfteren etwas zu offensichtlich seine moralisch-sozialistische Keule, doch da wir mit den meisten seiner Ideen ganz einverstanden sind, trübt dies das Lesevergnügen nicht. Nicht jede Geschichte in dieser Sammlung hat uns gefallen, doch die unterhaltsamen haben bei Weitem überwogen, so dass wir wieder einmal ohne Zögern ein LIKE vergeben können.
 
Leseprobe:
 
 

 

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