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31. Ferdinand Bruckner:
 
Elisabeth von England


geschrieben: 1930
(129 Seiten)
 
gelesen im Juni 2014
Fazit: *** LIKE

 
Die Theaterstücke, die wir bis jetzt ausgewählt haben, haben uns mehrheitlich gut gefallen. So auch dieses: der Autor, Ferdinand Bruckner (1891-1958) war uns bis dahin gänzlich unbekannt, aber Wikipedia hatte uns neugierig auf ihn gemacht. Fünf historische Schauspiele standen zur Wahl und wir entschieden uns für Elisabeth von England.
 
Das Stück beschreibt eine kurze Episode aus dem Leben Elisabeths I., und zwar den misslungenen Putsch einiger junger englischer Adliger, um die Königin zu entmachten. Zentralfigur ist eigentlich nicht die Königin selbst, sondern ihr damaliger Günstling Essex, der durch seine Kontakte zu eben jenen Adligen und angespornt von seinem vermeintlichen Freund Francis Bacon in den Staatscoup verwickelt und als Hochverräter am Ende exekutiert wird.
 
Das Stück ist ein klassisches historisches Drama: die Figuren sind hin- und hergerissen zwischen Gefühl und Pflicht. Besonders tragisch ist die Szene, in der Essex sich im Tower auf seine Hinrichtung vorbereitet während Königin Elisabeth in ihrem Zimmer mit sich selbst hadert, da sie ihn begnadigen will, aber weiss, dass sie das nicht kann und darf, wenn sie ihre Position nicht gefährden will.
 
Eine weitere tragische Figur ist der todkranke König Philipp von Spanien, der sich im Krieg mit Elisabeth befindet. Nur sein unerklärlicher Hass auf England hält ihn scheinbar noch am Leben, und er verbringt seine letzten Stunden damit, zu beten und den Krieg weiter anzutreiben.
 
Jedes Drama braucht einen Antagonisten und den schafft Bruckner mit der Figur des Francis Bacon. Im Mai waren wir diesem bereits als Naturwissenschaftler in einer der Kalendergeschichten von Brecht begegnet, aber da wurde er nicht als politischer Intrigant dargestellt. Hier präsentiert er sich nun als Freund von Essex und versichert ihm, dass er nie im Leben ein höheres Amt anstreben wolle, selbst wenn sich Essex immer wieder bei Elisabeth stark für ihn macht. Elisabeth scheint Bacon anfangs nicht zu trauen, doch nach dem Coup verlässt sie sich auf ihn, um alles Weitere zu erledigen, so dass Bacon die Hinrichtung Essexs anordnet und ausführt. Da Essex seinem falschen Freund bis zum Schluss blind vertraut, ist er wohl die tragischste Figur überhaupt in diesem Stück.
 
Kurzum, das Stück gefiel uns sehr gut. Selbst wenn man die damalige politische Lage nicht so kennt, kann man das Stück gut verstehen, was nicht immer der Fall ist bei historischen Dramen (siehe hierzu Dantons Tod von Georg Büchner).
 
Die Szenen mit Philipp von Spanien hatten zwar einige Längen und haben uns deshalb nicht so gut gefallen wie der Teil in England mit Essex, aber das tat unserer Freude am Stück keinen Abbruch. Fazit: ein absolutes LIKE, wieder einmal.
 
Leseprobe:
 
 

 

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