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19. Tania Blixen:
 
Sieben phantastische Geschichten


geschrieben: 1934
Originaltitel: Seven Gothic Tales (englisch)
(372 Seiten)
 
gelesen im Februar/März 2014
Fazit: *** LIKE

 
Nach mehreren Romanen machte zur Abwechslung mal wieder ein Buch mit Kurzgeschichten das Rennen. Karen Blixen (1885-1962), deren Werke in Deutschland unter dem Pseudonym Tania Blixen veröffentlicht wurden, hat die Geschichten zunächst auf Englisch geschrieben und selbst in ihre Muttersprache Dänisch übersetzt.
 
Der Originaltitel Seven Gothic Tales beschwört unheimliche Geschichten aus der deutschen und englischen Romantik herauf, wer jedoch Gruselgeschichten à la Mary Shelleys Frankenstein erwartet, könnte hier enttäuscht werden. Der Titel bezieht sich vielmehr auf die Zeit, in der die Geschichten sich abspielen, nämlich den Anfang des 19. Jahrhunderts.
 
Dennoch haben alle Geschichten ein unheimliches Flair, und allein durch die Sprache und Beschreibungen der Ereignisse wird dem Leser oft unwohl und gruselig zumute. Man könnte sich gut vorstellen, dass romantische junge Menschen im 19. Jahrhundert sich solche Geschichten an einem Winterabend am Kaminfeuer vorgelesen hätten.
 
Vor allem Der Affe und Das Familientreffen in Helsingör haben zumindest auch ein übernatürliches Element enthalten. Dies fehlt zwar in den anderen Geschichten, jedoch wird der gleiche Effekt durch seltsame Begebenheiten und Gemütsstimmungen erreicht, und selbst wenn alles am Ende auf eine natürliche Art und Weise aufgeklärt wird, bleibt dennoch ein klarer unheimlicher Nachgeschmack.
 
Blixen bedient sich in jeder Geschichte des Stils der Rahmengeschichten. Eine Gruppe Leute treffen zusammen und jeder erzählt etwas von sich, sodass die eigentliche Grundgeschichte oft sehr weitschweifend ausgebaut wird und am Ende doch wieder an den Anfangspunkt zurückfindet. Hervozuheben ist hier gleich die erste Geschichte Die Sintflut von Norderney, die sich zwar etwas zähflüssig durch die vielen Erzählungen der Protagonisten ausweitet, jedoch am Ende durch einen wahrhaft unerwarteten coup de théâtre gerettet wird sodass man gleich Lust hat weiterzulesen.
 
Ein oft wiederkehrendes Element sind ältere Frauen, die selbst ihr Leben lang die Ehe mit einem Mann verweigert haben, jedoch jetzt genau dies von ihren jungen Freundinnen oder Verwandten verlangen und versuchen, sie in eine, oft unangenehme, Ehe zu zwingen. Diese alten Schachteln und ihre Machenschaften regten uns mehr als einmal sehr auf. Da die jungen Mädchen allerdings oft eher freigeistig sind und sich nicht einfach kampflos in ihr Schicksal fügen bilden sie ein positives Gegenstück zu den alten Despoten und alles in allem ist die Moral solcher Geschichten am Ende eine positive und daher war es auch ein Genuss, sie zu lesen.
 
Einen weiteren Pluspunkt gibt es auch für die Schluss-Szene der letzten Geschichte des Buches, Der Dichter. Schockierend lange und detailgetreu wird das Sterben des Protagonisten über mehrere Seiten beschrieben, bis schliesslich am Ende die letzte Hoffnung auf Rettung buchstäblich zerschmettert wird. Einen erinnerungswürdigeren Schluss könnte man sich für dieses Buch kaum wünschen. Die Autorin hatte ein gutes Gespür für Dramatik, um diese Geschichte als Abschluss zu bringen. Fazit: It's a LIKE.
 
Leseprobe:
 
 

 

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